Message
Von der Leichtigkeit des Glaubens
“Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist.” Sacharja 4,6
Wer sich mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt, darf sich bewusst fragen: “Warum sollte ich?”
Warum sollte ich mir zu den Herausforderungen des Lebens auch noch die Bürde des Glaubens aufladen?
Warum sollte ich zu den erfahrungsgemäß flüchtigen Glückselementen des Lebens, wie Anerkennung, Bestätigung, Zuwendung, Zuneigung und materiellen Werten, wie etwa Besitz oder Geld – die zumindest manchmal fassbar sind –, einem noch weniger greifbaren Gott nachjagen?
Wozu sich mit dem Ballast aus 2000 Jahren Kirchengeschichte, der vom Gewicht her untragbar und mitunter vom verursachten Leid kaum erklärbar ist, beschweren?
Warum sich ohne Not in eine Spannung begeben, die ein biblisch-konstruiertes Weltbild gegen eine längst naturwissenschaftlich erklärte reale Welt verteidigen will? Das kann einem begegnen, ist aber vielleicht nicht notwendig.
Neben den Dingen, die wir in der Gesamtschau der Welt nur wenig beeinflussen können, müssen wir schicksalsergeben die Herausforderungen des Lebens hinnehmen. Ob mit Humor oder mit Zähneknirschen, mit Gelassenheit oder mit Verzweiflung; an den Tatsachen ändert es nichts. Warum, um alles in der Welt, dazu noch die Glaubenslast aufsatteln?
Die Fragen erinnern an die Gespräche von Herrn Keuner, aus der Feder Bertold Brechts.
Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: „Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, daß ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.“
Es gibt solche Momente, in denen das unabweisbare Gefühl – oder sogar die Überzeugung: „Ja, es ändert etwas!“ – dominiert. Diese vage Ahnung vermittelt dann nicht eine zusätzliche Last, sondern im Gegenteil gerade die Idee von Erleichterung, von Getragenwerden und von Nicht-Alleinsein.
Ein Empfinden für die Leichtigkeit des Glaubens.
Wie ein Rückenwind, wie die Kraft des Wassers, die sich auch als Rinnsal einen Weg sucht, wie eine Taube, die sanft angeflogen kommt und sich unerwartet setzt. Nichts davon ist erzwingbar, aber wenn es geschieht und zur Erfahrung wird, ist es unbestreitbar. Das Kommen des Heiligen Geistes, an das das Pfingstfest erinnert, steht auch für diese Erfahrung der Leichtigkeit des Glaubens. Der Geist Gottes führt als Person sanft zu Christus wie ein Rückenwind, obgleich wir jederzeit auch gegen den Wind anlaufen können. Alles sehr theoretisch? Vielleicht!
Ich bin begeistert von der Einfachheit einiger alter Gospel-Songs, die Nina Hagen auf ihrem Album „Highway To Heaven“ neu aufgenommen und dabei natürlich ihre Eigenart eingebracht hat. Reinhören lohnt sich! (Link am Ende dieses Textes)
Aus dem Song “Hand it over” strahlt nicht nur musikalisch die Leichtigkeit des Glaubens, weil er zu dessen Kern führt: Gott ist die erste Adresse, egal für welches Anliegen! Fernab von allen Verkomplizierungen, des richtigen Glaubens, der richtigen Lehre, der richtigen Form, der richtigen Kirche – steht hier der erste richtige Schritt im Zentrum. Rück es raus - übergib es zuerst Gott. Das ist nicht unsere übliche Strategie, sondern eher: bedenken, begrübeln, bewältigen – durch Heer oder Kraft, besorgt sein, herumtragen, ignorieren oder bagatellisieren. Das erwähnte Knien zum Gebet in den Strophen ist nicht nur in der Gospeltradition verankert, zwingend erforderlich ist es sicher nicht. Aber – warum sich nicht vom Geist Gottes auch mal zu einer physisch anderen Haltung im Gebet führen lassen? Vielleicht geht es nicht nur um Demut und es ist auch etwas Befreiendes daran, nicht mehr „standhaft“ sein zu müssen. Eine Erfahrung, die vielleicht noch vor uns liegt.
Das Wirken des Heiligen Geistes führt hin zu Christus, Christus führt zu dem Gott, der sich als Vater erweist, und hier endet der Weg – nicht! Aus der Begegnung mit diesem Vater führt der Heilige Geist erneut, und zwar hinein in die Welt und rein ins Leben. Martin Luther King ist nicht in die Abgeschiedenheit des „Hand it over“ -Gebets geflüchtet, um sich darin zu verbarrikadieren. Die "Hand it over" - Begegnung hat ihn mit einer neuen Botschaft hinausgeführt: „I have a dream…“ Das Kommen des Heiligen Geistes steht für noch weitaus mehr, aber eben auch für die Leichtigkeit des Glaubens.
Dein Pfingsten wartet – hand it over – rück es raus!
Andreas Günther
If your problems
Won't go away
And you're worried
Both night and day
Hand it over
Get on your knees and pray
If you're sick
Feeling low
Got no money
Got nowhere to go
Hand it over
Get on your knees and pray
Chorus:
Hand it over
Hand it over
Give it up, Give it over
Hand it over
Get on your knees and pray
Bridge:
Ain't no mountain
You can't climb
Ain't no answer
You can't find
All you need is a hand to hold
It'll heal you body
And feed your soul